Mindestlohn in der Schweiz: Wie viel musst du mindestens verdienen?
Alles, was du zum den Mindestlohnregelungen in der Schweiz wissen musst.
Wer in der Schweiz arbeitet, verdient im Schnitt deutlich mehr als in vielen anderen Ländern Europas. Aber was ist eigentlich das gesetzliche Minimum? Gibt es überhaupt eines? Und wer legt fest, wie viel dir mindestens zusteht?
Die Antwort ist nicht ganz so klar wie in Deutschland oder Frankreich – denn die Schweiz hat keinen landesweiten Mindestlohn. Stattdessen bestimmen die Kantone selbst, ob und in welcher Höhe ein Mindestlohn gilt. In einigen Regionen gibt es klare Untergrenzen, in anderen gar keine. Dazu kommen branchenspezifische Regeln über Gesamtarbeitsverträge.
In diesem Beitrag erfährst du, wie hoch der Mindestlohn in der Schweiz 2026 ist, welche Unterschiede es zwischen den Kantonen gibt – und was das für deinen Lohn konkret bedeutet
In diesem Beitrag

Wie hoch ist der Mindestlohn in der Schweiz?
Einen einheitlichen Mindestlohn gibt es in der Schweiz nicht. Stattdessen regeln das die Kantone individuell. Eine nationale Vorlage für einen Mindestlohn von 4.000 Franken wurde 2014 abgelehnt. Seither haben sechs Kantone bzw. Städte eigene Mindestlöhne eingeführt – mit unterschiedlichen Sätzen, Zeitpunkten und Sonderregelungen.
Kantone mit gesetzlichem Mindestlohn (Stand 2026)
| Kanton | Stundenlohn (CHF) | Monatslohn (42 Std.) | Seit |
|---|---|---|---|
| Genf | 24.59 | ca. 4’475 CHF | 2020 |
| Luzern (Stadt) | 22.75 | ca. 4’141 CHF | 2026 |
| Basel-Stadt | 22.20 | ca. 4’040 CHF | 2021 |
| Jura | 21.40 | ca. 3’895 CHF | 2018 |
| Neuenburg | 21.35 | ca. 3’886 CHF | 2017 |
| Tessin | 20.00 – 20.50 | ca. 3’640 – 3’720 CHF | 2021 |
In Basel-Stadt erhalten Angestellte im Stundenlohn zusätzlich 8,33 % Ferienzuschlag und 0,39 % Feiertagszuschlag, was den effektiven Stundenlohn weiter anhebt. Die Stadt Luzern gewährt Arbeitgebern eine Übergangsfrist bis zum 30. Juni 2026, um ihre Lohnsysteme anzupassen.
Die Schweiz kennt keinen flächendeckenden Mindestlohn. Wer wissen will, wie viel mindestens gezahlt wird, muss auf den jeweiligen Kanton schauen. In Genf liegt der Mindestlohn 2026 mit über 24 Franken pro Stunde am höchsten – andere Regionen liegen darunter.
Für wen gilt der Mindestlohn?
Der kantonale Mindestlohn gilt grundsätzlich für alle Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die in den jeweiligen Kantonen arbeiten.
Ausgenommen sind jedoch:
- Lernende und Praktikanten
- Minderjährige (in den meisten Kantonen)
- Schüler in Ferienjobs
- Personen in beruflichen Integrationsprogrammen
- Branchen mit bestehenden Gesamtarbeitsverträgen (GAV), die bereits Mindestlöhne festlegen
Die Kantone handhaben die Kontrolle unterschiedlich. Während einige Kantone wie das Tessin aktiv kontrollieren und sanktionieren, müssen Arbeitnehmende in anderen Kantonen wie Neuenburg Verstösse selbst gerichtlich einklagen
Wer legt den Mindestlohn in der Schweiz fest?
Ein landesweiter Mindestlohn wurde 2014 per Volksabstimmung klar abgelehnt – mit über 76 % Nein-Stimmen. Seitdem ist klar: Die Kantone entscheiden selbst, ob sie einen Mindestlohn einführen oder nicht.
Das bedeutet: Es gibt keinen einheitlichen Mindestlohn, sondern nur regionale Lösungen. Sechs Kantone bzw. Städte haben bisher eigene Regelungen beschlossen – Genf, Basel-Stadt, Neuenburg, Jura, Tessin und neu die Stadt Luzern ab 2026. Die Höhe unterscheidet sich je nach Region. Entscheidend ist dabei oft eine kantonale Abstimmung oder ein Beschluss des Parlaments vor Ort.
Sozialpartner spielen in der Schweiz eine zentrale Rolle
Unabhängig vom gesetzlichen Mindestlohn gelten in der Schweiz viele Gesamtarbeitsverträge (GAV). Diese regeln Löhne, Arbeitszeiten und weitere Bedingungen auf Branchenebene – verhandelt von Gewerkschaften und Arbeitgeberverbänden.
Etwa die Hälfte aller Beschäftigten in der Schweiz ist durch solche Verträge abgedeckt. Auch ohne gesetzlichen Mindestlohn gibt es für viele Arbeitnehmende branchenspezifische Lohnuntergrenzen – und die liegen oft über dem gesetzlichen Minimum in den Kantonen.
Gesamtarbeitsverträge als Alternative
In vielen Branchen ohne kantonale Mindestlöhne regeln Gesamtarbeitsverträge (GAV) die Lohnuntergrenzen. Beispielsweise garantiert der L-GAV (Landesmantelvertrag für das Gastgewerbe) ab Januar 2026 folgende Mindestlöhne:
- Stufe Ia (ohne Berufslehre): CHF 3.713 pro Monat (CHF 20.40/Std.)
- Stufe II (EBA, 2-jährige Grundbildung): CHF 4.070 pro Monat (CHF 22.36/Std.)
- Stufe IIIa (EFZ, eidgenössisches Fähigkeitszeugnis): CHF 4.528 pro Monat (CHF 24.88/Std.)
Die Schweiz verfolgt einen föderalistischen Ansatz beim Mindestlohn, bei dem jeder Kanton selbst entscheidet.
Während die meisten Kantone weiterhin auf Marktmechanismen und Gesamtarbeitsverträge setzen, haben sechs Kantone bzw. Städte bereits eigene Mindestlohnregelungen eingeführt. Die Höhe variiert zwischen CHF 20.00 und 24.59 pro Stunde, wobei Genf mit CHF 24.59 den höchsten kantonalen Mindestlohn aufweist.
Wie funktioniert die Mindestlohnregelung in Deutschland?
Deutschland: Kommission statt Regierung
In Deutschland kümmert sich seit 2015 eine unabhängige Mindestlohnkommission um die Höhe des gesetzlichen Mindestlohns. Sie wird alle fünf Jahre von der Bundesregierung neu berufen und ist paritätisch besetzt – das heißt:
- drei Vertreter der Arbeitgeber,
- drei Vertreter der Gewerkschaften,
- zwei beratende Wirtschaftswissenschaftler (ohne Stimmrecht),
- sowie eine neutrale Vorsitzperson.
Alle zwei Jahre legt dieses Gremium eine neue Empfehlung zur Anpassung des Mindestlohns vor.
Die Entscheidung orientiert sich dabei an der Lohnentwicklung in Deutschland – mit dem Ziel, den Mindestschutz für Arbeitnehmer zu sichern, ohne Arbeitsplätze zu gefährden oder den Wettbewerb zu verzerren.
Wieso gibt es keinen Mindestlohn in der Schweiz?
Die Schweiz kennt bis heute keinen national einheitlichen Mindestlohn – und das hat mehrere Gründe, die tief in der politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Struktur des Landes verankert sind.
1. Hohe Löhne – auch ohne Mindestgrenze
Die Lohnniveaus in der Schweiz sind im internationalen Vergleich deutlich höher. Viele Branchen zahlen von sich aus Gehälter, die weit über dem liegen, was in anderen Ländern gesetzlich vorgeschrieben wäre. Ein nationaler Mindestlohn wird daher oft als überflüssig angesehen – gerade in Regionen mit starkem Arbeitsmarkt.
2. Föderalismus statt Zentralstaat
Die Schweiz ist föderal organisiert. Das heißt: Vieles wird auf Ebene der Kantone geregelt – auch beim Arbeitsrecht. Sechs Kantone bzw. Städte (Genf, Basel-Stadt, Neuenburg, Jura, Tessin sowie die Stadt Luzern ab 2026) haben inzwischen eigene Mindestlöhne eingeführt. Der Bund mischt sich bewusst nicht ein. Was wo gilt, entscheiden die Regionen selbst – per Volksabstimmung oder Parlamentsbeschluss.
3. Volksentscheid: Klare Ablehnung auf Bundesebene
2014 wurde eine Volksinitiative zur Einführung eines landesweiten Mindestlohns von 4.000 Franken pro Monat abgelehnt – mit fast 76 % Nein-Stimmen. Das Ergebnis war deutlich: Eine Mehrheit der Schweizer Bevölkerung möchte keine Lohnuntergrenze auf Bundesebene. Die Sorge um wirtschaftliche Eingriffe und Arbeitsplatzverluste war größer als der Wunsch nach einheitlicher Absicherung.
4. Gesamtarbeitsverträge regeln vieles individuell
Statt pauschaler Regelungen setzt die Schweiz stark auf Gesamtarbeitsverträge (GAV). Diese werden von Arbeitgeberverbänden und Gewerkschaften ausgehandelt – branchen- oder betriebsbezogen. Rund die Hälfte aller Beschäftigten in der Schweiz ist durch solche Verträge abgedeckt. Sie garantieren verbindliche Lohnuntergrenzen, oft sogar deutlich über dem, was ein gesetzlicher Mindestlohn vorgeben würde.
5. Einfluss der Arbeitgeberverbände
Die Arbeitgeberseite ist in der Schweizer Politik gut vernetzt – und lehnt einen gesetzlichen Mindestlohn häufig ab. Die Argumente: Eingriffe in den Markt könnten Jobs gefährden, besonders bei kleinen Unternehmen oder in strukturschwachen Regionen. Die Politik folgt diesem Kurs weitgehend – mit dem Ergebnis, dass sich das Lohnniveau weiterhin über Marktmechanismen und Branchentarife steuert.
Ein nationaler Mindestlohn scheitert in der Schweiz bislang an der Kombination aus hohen Einkommen, föderaler Organisation, politischer Ablehnung und der starken Stellung von Sozialpartnerschaft und Branchenlösungen. Wer Mindeststandards will, findet sie oft nicht im Gesetz – sondern im GAV.
Wie hoch ist das durchschnittliche Einkommen in der Schweiz?
Die Schweiz zählt zu den Ländern mit den höchsten Löhnen weltweit – allerdings mit deutlichen Unterschieden je nach Region, Branche, Ausbildung und Geschlecht. Entscheidend ist auch, ob man vom Durchschnittslohn oder vom Medianlohn spricht. Beide Begriffe klingen ähnlich, sagen aber etwas anderes aus.
Medianlohn und Durchschnittslohn im Vergleich
Der Medianlohn lag 2024 bei 7’024 CHF brutto im Monat. Das bedeutet: Die eine Hälfte der Beschäftigten verdient mehr, die andere weniger. Er gilt als realistischer Maßstab, weil er nicht durch einzelne Extremverdiener verzerrt wird.
Der Durchschnittslohn (arithmetisches Mittel) liegt bei etwa 7’500 CHF im Monat. Er fällt höher aus, weil Spitzengehälter – etwa in der Finanz- oder Pharmabranche – stark ins Gewicht fallen.
| Gruppe | Bruttolohn pro Monat (CHF) |
|---|---|
| Niedrigste 10 % | unter 4’635 |
| Median | 7’024 |
| Höchste 10 % | über 12’526 |
| Tieflohn (Vollzeitstelle) | unter 4’525 |
Rund 11 % der Vollzeitstellen gelten als Tieflohnjobs.
Einkommensverteilung: Wer verdient wie viel?
Nicht jeder verdient in der Schweiz überdurchschnittlich. Die Lohnspanne ist groß – gerade zwischen den unteren und oberen zehn Prozent.
| Gruppe | Bruttolohn pro Monat (CHF) |
|---|---|
| Niedrigste 10 % | unter 4’635 |
| Median | 7’024 |
| Höchste 10 % | über 12’526 |
| Tieflohn-Grenze (Vollzeit) | unter 4’525 |
Etwa 11 % aller Vollzeitstellen gelten als Tieflohnjobs.
Einkommen nach Branche
Die Branche, in der du arbeitest, hat einen starken Einfluss auf dein Gehalt. In der Finanz- und Pharmaindustrie sind Löhne deutlich höher als etwa im Detailhandel oder Gastgewerbe.
| Branche | Ø Monatslohn (CHF) |
|---|---|
| Tabakindustrie | 13’299 |
| Banken | 10’491 |
| Pharmaindustrie | 10’296 |
| Versicherungen | 9’900 |
| IT / Telekommunikation | 9’412 |
| Detailhandel | 4’997 |
| Gastronomie / Hotellerie | ca. 4’600 |
Regionale Unterschiede
Nicht nur Branche und Ausbildung zählen – auch der Wohn- und Arbeitsort machen einen Unterschied. Besonders gut bezahlt sind Jobs in Zürich, am niedrigsten liegen die Medianlöhne im Tessin.
| Region | Medianlohn (CHF/Monat) |
|---|---|
| Zürich | 7’113 |
| Nordwestschweiz | 6’789 |
| Genferseeregion | 6’731 |
| Tessin | 5’546 |
Zürich ist Spitzenreiter – das Tessin liegt spürbar darunter.
Lohnunterschiede zwischen Männern und Frauen
Die Lücke zwischen Männern und Frauen hat sich in den letzten Jahren verringert, ist aber weiterhin messbar. Auch bei vergleichbarer Qualifikation und Tätigkeit verdienen Frauen im Schnitt weniger.
| Jahr | Lohnunterschied (%) |
|---|---|
| 2012 | 19 % |
| 2018 | 11,5 % |
| 2020 | 10,8 % |
| 2022 | 9,5 % |
| 2024 | 8,4 % |
2024 lag der Medianlohn bei Männern bei 7’376 CHF, bei Frauen bei 6’753 CHF.
Einkommen nach Bildungsgrad
Höhere Ausbildung zahlt sich aus – auch in der Schweiz. Besonders ausgeprägt ist der Unterschied bei akademischen Abschlüssen.
| Ausbildung | Ø Monatslohn Männer (CHF) | Ø Monatslohn Frauen (CHF) |
|---|---|---|
| Keine Ausbildung | 5’360 | 4’630 |
| Berufsausbildung | ~6’500 | ~5’800 |
| Höhere Berufsbildung | ~8’200 | ~7’400 |
| Hochschule / Universität | ~10’000 | ~8’800 |
Ein Studium oder eine höhere Berufsbildung öffnet die Tür zu deutlich besseren Gehältern – unabhängig vom Geschlecht, auch wenn Unterschiede bestehen bleiben.
Das durchschnittliche Einkommen in der Schweiz liegt je nach Betrachtungsweise bei etwa 7’500 Franken brutto pro Monat, der Median bei 7’024 Franken (Stand 2024). Einkommen hängen stark von Branche, Region, Bildung und Geschlecht ab. Die Schweiz ist ein Hochlohnland – aber kein gleiches. Wer gut ausgebildet ist, im richtigen Kanton lebt und in der richtigen Branche arbeitet, profitiert am meisten.
FAQ – Mindestlohn in der Schweiz
Die Schweiz hat keinen landesweiten Mindestlohn. Stattdessen regeln einzelne Kantone eigene Mindestlöhne. Der höchste liegt aktuell im Kanton Genf bei 24.59 CHF pro Stunde (Stand 2026). Andere Kantone und Städte wie Basel-Stadt, Neuenburg, Jura, Tessin und neu die Stadt Luzern haben ebenfalls Mindestlöhne eingeführt – die Höhe variiert je nach Region.
Der durchschnittliche Stundenlohn in der Schweiz liegt – je nach Branche und Region – zwischen 35 und 45 CHF brutto pro Stunde bei Vollzeitstellen. In niedrig bezahlten Sektoren wie Gastronomie oder Detailhandel sind es teils deutlich weniger, in der Finanz- oder Pharmaindustrie deutlich mehr. Ein realistischer Durchschnittswert liegt bei etwa 40 CHF pro Stunde.
Der Medianlohn für eine Vollzeitstelle liegt aktuell bei rund 7’024 CHF brutto im Monat (Stand 2024), der Durchschnittslohn bei etwa 7’500 CHF. Die tatsächlichen Löhne variieren stark – abhängig von Region, Branche, Ausbildung und Berufserfahrung. In Tieflohnbranchen beginnt der Monatslohn teils unter 5’000 CHF, in spezialisierten Berufen oder Kaderpositionen kann er bei über 10’000 CHF liegen.
2026 gelten in sechs Kantonen bzw. Städten feste Mindestlöhne. Die aktuellen Werte:
- Genf: 24.59 CHF pro Stunde (ca. 4’475 CHF/Monat)
- Luzern (Stadt): 22.75 CHF pro Stunde (ca. 4’141 CHF/Monat)
- Basel-Stadt: 22.20 CHF pro Stunde (ca. 4’040 CHF/Monat)
- Jura: 21.40 CHF
- Neuenburg: 21.35 CHF
- Tessin: 20.00–20.50 CHF
Diese Werte gelten jeweils für eine 100 % Vollzeitstelle (ca. 42 Stunden/Woche) und können je nach Branche oder Gesamtarbeitsvertrag leicht variieren.







